Interviews

Vegan leben — Wenn aus einer Woche viereinhalb Jahre werden (Interview)

Kein Fleisch, kein Fisch, keine Milch, keine Eier, kein Käse.
Für viele unvorstellbar. Was bleibt denn dann noch übrig?

Vegane Ernährung.
Viele denken sie sei ungesund, unnatürlich oder einfach zu aufwendig.

Ich habe mich mit Katharina Felschen getroffen, um den Fragen rund um die vegane Ernährung auf den Grund zu gehen. Sie ernährt sich seit viereinhalb Jahren vegan und hat einen Blog zum veganen Leben in Bonn

Keine Lust zu Lesen? Das komplette Interview gibt’s hier auch zum Anhören:

 

Was bedeutet die vegane Ernährung?

KATHARINA: Vegane Ernährung bedeutet für mich gewaltfrei leben. Es bedeutet, dass ich mich rein pflanzlich ernähre, dass ich nicht möchte, dass für meine Ernährung jemand stirbt oder leidet. Für mich schließt das auch mit ein, dass ich versuche mein Möglichstes zu tun, dass auch keine Menschen leiden.

Warum ernährst du dich vegan?

KATHARINA: Weil ich nicht möchte, dass Tiere für mich leiden oder sterben. Ich habe sehr früh angefangen zu verstehen, dass es falsch ist, Tiere zu essen. Deswegen esse ich seit ich neun bin kein Fleisch mehr. Und ich dachte ganz lange das würde reichen, weil ich dachte: naja ich tue ja bereits alles was in meiner Macht steht, um das zu verhindern. So war ich dann bereits 28 oder 29, glaub ich, als ich mich tatsächlich mit Veganismus beschäftigt habe. Ich habe dann gedacht:
Milch kommt natürlich auch nur, wenn Kühe schwanger werden. Und was ist dann mit den Kälbern?- Achso, die Kälber werden dafür geschlachtet. Und Kühe werden normalerweise  20 Jahre alt – wenn sie Milchkühe sind, aber nur 4 Jahre.
Und so war das ein Prozess, dass ich gemerkt habe: nein, es ist auch falsch Milch zu trinken, denn dafür leiden und sterben Tiere auch. Auf Eier hatte ich schon vorher verzichtet. Es war ein fließender Prozess innerhalb eines Jahres. Ich habe mir dann gesagt: ok, jetzt versuchst du es mal:

Eine Woche lebst du vegan, wirst du eh nicht schaffen, weil du Käse vermisst, aber dann hast du es probiert und aus der einen Woche wurden jetzt viereinhalb Jahre.

Wie sieht der Teller eines Veganer aus?

KATHARINA: Sehr bunt, also natürlich sehr viel Gemüse, sehr viel buntes Gemüse, gerade sehr viel dunkelgrünes Gemüse, weil da so viel Kalzium und Eiweiß drin ist. Ich esse alles, von Pizza über Kebab, und natürlich Gemüsepfannen und Asiatisch, Indisch, aber auch mal Knödel mit Sauerkraut.
Dadurch, dass man mit Seitan, aber natürlich auch durch Tofu Produkte einfach eine große Masse hat an Dingen, die man essen und zubereiten kann, würde ich sagen, dass mein Teller erstmal  genauso aussieht wie bei Fleischessern, nur halt vielleicht ein bisschen bunter.

Bedeutet die vegane Ernährung, dass man aufs Auswärtsessen verzichten muss? Also wenn ich z.B. mit Freunden unterwegs bin und die Wahl auf Pizza, Döner oder Eis fällt, was kann dann der Veganer sozusagen essen?

KATHARINA: Nein, zum Glück bedeutet es nicht mehr, dass man nur noch zu Hause essen darf oder kann. Wenn man mit Freunden unterwegs ist, die Fleisch essen und sie unbedingt z.B. Pizza essen gehen wollen, dann ist das tatsächlich kein Problem.
Denn in guten Pizzen ist im Teig keine Milch drin oder Butter, sondern das ist wirklich rein vegan, auch wenn’s viele Leute erstmal nicht wissen.
Wenn ich jetzt keine vegane Lokalität finde, dann bestelle ich meist eine Pizza ohne Käse mit sehr viel Gemüse drauf und frag den Kellner, ob die ein scharfes Chili-Öl haben, weil das sehr, sehr gut darauf schmeckt. Bei Nudeln gibt’s ja immer Arrabiata. Es gibt eigentlich immer Möglichkeiten. Schöner ist es natürlich, wenn man gleich ein Restaurant oder Café findet, dass auch veganes Essen anbieten oder vielleicht sogar ganz vegan ist und dann kann man halt auch Döner essen gehen.

Muss man als Veganer Tabletten nehmen?

KATHARINA: Ja, man sollte Vitamin B12 zu sich nehmen, aber bevor jetzt der große Aufschrei kommt: Ohje, die Veganer leben so ungesund, die müssen ja supplementieren, kann ich dazu gleich sagen: Fleischesser supplementieren auch. Den Kühe zum Beispiel, die sie essen, denen wurde als Supplement auch B12 gereicht, weil sie das so nicht bekommen.

Statt B12 Tabletten zu nehmen, könnte ich auch Staub oder Erde essen, weil das da drin ist. Ich nehme lieber Zahnpasta, die mit B12 supplementiert ist, oder eben Tabletten.

Ich hoffe Dir hat das Interview gefallen, zu Gedanken angeregt oder sogar inspiriert.
Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn Du Deine Gedanken mit uns teilst 😉

Danke an Katharina Felschen 🙂

(c) Daniel Hammelstein

 

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